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Formensysteme im Taekwondo

Formen (englisch: Pattern), sind festgelegte Schritt- und Technikfolgen. Es gibt sie letztendlich in allen Asiatischen Kampfsport-/Kampfkunst-Arten. Die Formen dienen dazu, Grundtechniken, Stellungen und Bewegungsabläufe zu trainieren, die Konzentration zu steigern, die Atemtechnik zu optimieren und einen eigenen Bewegungsstil zu entwickeln. Die Formensysteme Hyong und Tul können auch als Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner angesehen werden. Der praktische Nutzen (Anwendung/Selbstverteidigung) ist jedoch eher zweifelhaft.

Der geschichtliche Hintergrund, zumindest im Taekwondo, ist angeblich, dass es früher viel zu gefährlich gewesen wäre, einen Trainingskampf gegen einen realen Gegner zu führen – bei Verletzung oder Tod hätte dies zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen und entsprechenden Racheakten der Familie des Opfers geführt. Es gibt noch weitere Theorien über die Entstehung von Formen, die sich in allen asiatischen Kampfarten und in den unterschiedlichsten kulturellen Kontexten entwickelt haben. Für mein Dafürhalten, ist jedoch keine der mir bekannten Erklärungen wirklich glaubhaft, zumindest, soweit es das Taekwondo betrifft. Formen zählen zu den Grundbestandteilen des Taekwondo und haben in den traditionellen Verbänden einen hohen Stellenwert.

Im Taekwondo haben wir es letztendlich mit den folgenden drei Formenschulen zu tun:
- Hyong
- Poomsae
- Tuls
Eine vierte Variante, die jedoch keine große Bedeutung mehr hat, sind die Palgwe-Formen.

Die Hyong-Formen
Die Hyongs stellen die älteste Formenschule im Taekwondo dar. Das
Hyong-System (20 Hyongs) wurde durch General Choi Hong-hi in den Jahren 1961 - 1965 entwickelt. Diese wurden dann im Laufe der 1970er Jahre um weitere vier Hyongs ergänzt. Die 24 Hyongs stehen symbolisch für die 24 Stundden eines Tages. Die 20. bzw. jetzt 24. Hyong „T‘ong-Il“ , steht für die Wiedervereinigung Koreas.

21 Hyongs sind nach Persönlickkeiten benannt. Dabei handelt es sich um Gelehrte, Staatengründer, Soldaten, Mönche und Freiheitskämpfer. Nur drei Hyongs sind nicht nach Personen benannt.

1. Hyong Chon-Ji: Dies bedeutet so viel wie “der Himmel, die Erde”. Dies wiederum bedeutet in Asien soviel wie die Erschaffung der Erde und der Beginn der Menschheit.

8. Hyong Hwa-Rang: Hwa-Rang war eine koreanische Jugendorganisation. Sie entstand vor ca. 1350 Jahren und war eine führende Kraft bei den Bemühungen um die Vereinigung der drei koreanischen Königreiche.

24. Hyong T‘ong-Il: T’ong Il steht für die Wiedervereinigung des seit 1945 gespaltenen Koreas.

Wurzeln der Hyong
Von einigen Vertretern des heutigen Taekwondo wird behauptet, „Taekkyon“ (traditionelle Koreanische Kampfkunst, nachweislich seit mindestens 15. Jahrhundert), wäre der Vorläufer des Taekwondo und somit auch der Hyong. Betrachtet man das Taekkyon in seiner Gesamtheit (Grundtechniken, Fußstellungen, Hand- und Fußtechniken, sowie die im Taekwondo gänzlich fehlenden Würfe), so kann man eigentlich nur wenig Gemeinsamkeiten erkennen. Die einzige Übereinstimmung sind die in beiden Kampfsportarten ausgeprägten Beintechniken. Die tänzerischen Elemente, sowie die fließenden Hand und Fußtechniken sind im Taekwondo absolut nicht zu erkennen. Geschichtliche Tatsache ist aber auf jeden Fall, dass das Taekwondo maßgeblich von Choi Hong-hi entwickelt wurde.

Choi Hong-hi hat laut eigener Aussage in Japan „Karate“ gelernt. Er soll auch „Taekkyon“ gelernt haben, wofür es aber absolut keinen Nachweis gibt. Betrachtet man die Stände und Stellungen, sowie die Block- und Schlagtechniken, so ist eine große Übereinstimmung mit dem „Karate“ zu erkennen. Auf jeden Fall war der Einfluss des Karate bei der Entwicklung des Taekwondo und der Hyong weit größer, als der des Taekkyon.

Die Palgwe-Formen
Die Palgwe-Formen wurden Ende der 1960er-Jahre entwickelt. Es gibt insgesamt 8 Formen. Die Namen der einzelnen Formen stellen lediglich eine Nummerierung in koreanischer Zählweise dar. Die Palgwe-Formen haben heutzutage, zumindest in Europa, keine Bedeutung mehr.

Die Tul-Formen
Das Tul-System, das im wesentlichen dem Hyong-System entspricht, wurde von Choi-Hong-hi (ITF) ab 1972 entwickelt Zu diesem Zeitpunkt hatte er Südkorea den Rücken gekehrt und sich in Kanada niedergelassen. Der maßgebliche Unterschied zum Hyong-System liegt in der Ausführung der einzelnen Techniken. In den traditionelleren Taekwondo-Schulen werden die Techniken zumeist, dem Karate ähnlich, in Positionen mit tieferem und breiterem Stand durchgeführt. Der Körperschwerpunkt wird kontinuierlich niedrig gehalten und wenn möglich auf einer Linie bewegt.

Im Tul-System wurde die „Sinuswelle eingeführt. Das besondere Merkmal der Sinuswelle liegt in der Verlagerung des Schwerpunktes, der bei allen Schritten nach oben verlagert wird. Die Technik wird dann mit einer Absenkung des Schwerpunktes ausgeführt.

Desweiteren führte man geänderte Begriffe für die einzelnen Techniken ein. Auch hiermit wollte man eine deutliche Abgrenzung zu den anderen Taekwondo-Stilen erreichen. Die geänderten Begriffe stammen aus der alten Ursprache Koreas, die vorwiegend in Nordkorea gesprochen wird.

Letztendlich wurde dann in den 80er -Jahren die Ko-Dang Hyong (15. Hyong) durch die Juche-Form ersetzt. Der Grund dafür war, dass nach Ansicht Choi-Hong-Hi`s, in den Hyongs wichtige Techniken fehlten. Nun, er wird‘s wohl gewusst haben. Um die Zahl 24 zu erhalten, musste aber eine Form entfernt werden, die Ko-Dang Hyong.

Die Poomsae-Formen
Bedingt durch die 1972 stattfindende Spaltung des koreanischen Taekwondo- Verbandes ITF und der Verlegung des Hauptsitzes der ITF nach Kanada, wurde die WTF ins Leben gerufen.

Um sich von der ITF abzugrenzen, änderte man zuerst den Namen „TaeKwon Do“ in „Taekwondo“ um. Auch die bestehende Formenschule „Hyong“ sollte nicht übernommen werden, da sie ja von Choi-Hong-hi entwickelt worden war.

Der Einfachheit halber übernahm man, die inzwischen speziell für Jugendliche vereinfachten Übungsformen. Die ersten acht Formen haben keine eigene Namen, sondern als Gesamtheit die BezeichnungTaeguk. Die Namen der einzelnen Formen Il Jang bis Pal Jang stellen lediglich eine Nummerierung in sinokoreanischer Zählweise dar (Form 1 - 8). Ab dem 2. Dan hat dann jede Form einen eigenen Namen. Der Oberbegriff für die in ihrer Gesamtheit als „Yudanja“ bezeichneten, einzeln benannten Formen ab dem zweiten Dan, lautet Poomsae.

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